Die Neuropsychologie ist ein Spezialgebiet innerhalb der Neurologie und befasst sich mit mentalen Störungen, also Störungen des Denkens (Syn. Kognition) und Handelns.
Die Beobachtung, dass viele Hirnfunktionsstörungen eng mit einer Beeinträchtigung bestimmter Hirnareale assoziiert sind, lässt eine relativ „einfache“ Einteilung des menschlichen Gehirns zu:
- Frontalhirnsyndrom ist gekennzeichnet durch Störungen der Handlungsplanung, Ablenkbarkeit, Antriebsstörung und Perseveration
- Raumverarbeitungsstörungen wie Hemispatialer Neglekt, Visuokontruktive Störung und Topographagnosie sind bedingt durch Störungen der rechten (nicht dominanten) Hemisphäre
- Visuelle Erkennungsstörungen wie Objektagnosie, Farbanomie und Prosopagnosie sind bedingt durch Störungen hinterer Hemisphärenabschnitte
- Sprachassoziierte Störungen wie Aphasie, Agraphie, Alexie, Apraxie, Akakulie, Fingeragnosie und Störungen des Körperschemas sind bedingt durch Störungen der linken (dominanten) Hemisphäre
- Gedächtnisstörungen sind bedingt durch Störungen der medialen Strukturen
Der angeführte Raster ist nur ein grobes Gerüst zur Veranschaulichung der Vielfalt von kognitiven Störungen, welche zum Teil miteinander komplex verknüpft sind. Zur Veranschaulichung angeführt sei hier der Einfluss von Störungen des Frontalhirns auf verschiedene Komponenten der Handlungsfähigkeit: Das Frontalhirn vermittelt die Fähigkeiten, Handlungsabläufe in sinnvoller Abfolge zu planen (Handlungsplanung), die einzelnen Handlungen zu initiieren und ablaufen zu lassen (Antrieb), sich auf eine Handlung zu konzentrieren (Aufmerksamkeit), von einer Handlung aber abzulassen und sich auf eine neue zu konzentrieren, wenn dies nötig ist (Flexibilität).
Motorische Störungen (Paresen) sind offensichtlich. Kognitive Störungen sind zumeist nicht offensichtlich und bedürfen einer exakten Exploration durch den Untersucher. Die detaillierte funktionsdiagnostische Evaluierung der durch die Erkrankung des zentralen Nervensystems hervorgerufenen, zum Teil sehr komplexen kognitiven Dysfunktionen durch einen klinischen Neuropsychologen in Zusammenarbeit mit Logopäden, Ergotherapeuten und Neurologen ist Basis für die Durchführung der adäquaten kognitiven Therapiemaßnahmen. Da kognitive Störungen bei gleicher/ähnlicher Lokalisation der Erkrankung des zentralen Nervensystems in ihrer Komplexität sehr heterogen sind, müssen die einzelnen Trainingsmodule zum „Wiedererlernen“ sehr individuell gestaltet werden. Zum Teil werden „Kanäle“ nicht gestörter kognitiver Funktionen genutzt, um verlorengegangene Fähigkeiten „neu“ zu lernen. Wesentliche Vorrausetzung um Therapiemodalitäten wie kognitives Lernen (Verbesserung der Ausführung einer kognitiven Aufgabe durch Üben) und Konditionierung effizient einsetzen zu können, ist die Lernfähigkeit. Demenz ist ein Ausschlusskriterium für die neuropsychologische Rehabilitation kognitiver Funktionen.